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Segler










Über Eichhörnchen und Elefanten

Mensch. Dieser Mathes Dues. Das ist ein Schlitzohr. Fast so eines wie Harpe Kerkeling als Königin Beatrix. Schaut einfach als Professor Seifert mal eben in Berge bei der Firma Segler vorbei – die gerade ihre neue Halle eröffnet – hält vor Mitarbeitern und Ehrengästen einen schwindelerregenden Vortrag über Kommunikationspsychologie und gibt sich erst nach dem Vortrag zu erkennen – ein ebenso gelungener wie entlarvender Coup.

Das Wetter war toll, der rote Teppich für die Besucher ausgerollt, die neue Halle mit ihren riesigen Portalkränen lichtdurchflutet. Auch der Service war perfekt, die Bühnentechnik professionell, die Aufmerksamkeit des Personals enorm hoch. Fürwahr. Der A&O Veranstaltungsservice aus Lingen leistete ganze Arbeit. Alles hätte seinen gewohnten Lauf nehmen können. Gäste und Mitarbeiter hätten Platz genommen. Eine Rede wäre der nächsten gefolgt. Ein Wort hätte das andere ergeben. Und irgendwann wären alle leicht ermüdet nach Hause gegangen. Doch es kam alles anders an diesem goldigen Tag. Leicht irritierend war das Geschehen auf der Bühne bisweilen. Ungewohnt, aber nie langweilig.

Und so geschah es also, dass ein Moderator namens Stefan Nussbaum die Bühne enterte, den Musical-Hit „Cats“ kurzerhand in „Snails“ (Schnecken) umbenannte und erst einmal ein Hohelied auf Segler und die Herstellung von Förderschnecken sang. „Aha“, dachte das nicht ganz so an Musik interessierte Publikum und wollte zur erwarteten Routine übergehen. Doch der folgende Auftritt der Chefin des Hauses währte nur kurz. Sprach Birte Quint drei Minuten? Oder waren es vier? Jedenfalls kam danach nicht Landrat Manfred Hugo dran. Auch nicht Samtgemeindebürgermeister Peter Selter. Die berüchtigten „Grüße von Rat und Verwaltung“ blieben aus. Nein. Ein gewisser Herr Niels stieg auf die Bühne. Auch der redete wenig. Stattdessen bewegte er sich – gab den menschlichen Bildschirmschoner, verblüffte mit unglaublicher Körperbeherrschung. Sein Publikum war in den ersten Sekunden so irritiert, dass Herr Niels sein Programm unterbrach und sich an die vor ihm sitzenden Körper der Gäste mit dem Satz wandte: „Ich weiß, ihr seid da drin.“ Damit war das Eis gebrochen. Die Eröffnung einer neuen Halle muss nicht langweilig sein. Überhaupt nicht.

Als der faszinierende Herr Niels fertig war, rückte ein echter Doktor und Ingenieur an, und zwar vom Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik in Quakenbrück. Aber auch Volker Heinz – gut gelaunt und gut gebräunt – liebte es ebenso wie Geschäftsführer Thomas Neteler kurz und knackig, sodass alsbald die Bühne frei war für den Festvortrag von – ja von Professor Dr. Seifert. „Was redet der da?“ „Bin ich zu blöd, um das Gesabbel zu verstehen?“ „Warum sind alle Professoren Klugscheißer?“ Fragen über Fragen türmten sich nach wenigen Minuten auf. Alsbald beantworteten sie sich selbst. Da machte sich einer über diese ganzen Festreden lustig. Über diese ewig gleichen Worthülsen und Pseudo-Weisheiten, die bei solchen Anlässen quälend aus den Mündern von selbstverliebten Rednern kullern. Und auch der Professor trug solche Sätze vor – allerdings ins Absurde gesteigert: „Wer nicht lernt, der kann nicht vergessen“ oder „Ein Eichhörnchen ist zwar klein, aber nicht der Sklave des Elefanten.“ Zur Krönung stieg der Professor schließlich auf das Rednerpult. Spätestens da wusste jeder, wieso der Esel keine Streifen hat.

Kurzum: Es war die schönste Eröffnung seit Langem. Segler sei dank. Ach ja. Häppchen gab es trotzdem.

Quelle: http://www.noz.de