Nahrungsmittel und deren Herstellung stehen immer stärker im Fokus der Öffentlichkeit. Damit steigen auch die Anforderungen an Qualität, Sicherheit und Prozessgestaltung in der Fördertechnik. Wer Schüttgüter in der Lebensmittelproduktion fördert, muss schonende Aufbereitung unter Wahrung möglichst vieler Inhaltsstoffe, genaueste Dosierung, Vermeidung von Verschleppungen und eine hygienegerechte Bauweise (Hygienic Design) sicherstellen.
Dieser Ratgeber zeigt, welche Anforderungen die Lebensmittelindustrie an Fördertechnik stellt, welche Materialien zum Einsatz kommen und wie SEGLER diese Anforderungen in der Praxis umsetzt.
Welche Anforderungen stellt die Lebensmittelindustrie an Fördertechnik?
Die Lebensmittelbranche verlangt von Förderanlagen mehr als nur zuverlässigen Transport. Zu den zentralen Anforderungen gehören:
Hygienic Design: Die gesamte Anlage muss so konstruiert sein, dass Produktansammlungen, Toträume und schwer erreichbare Stellen vermieden werden. Nur so lässt sich die Reinigbarkeit sicherstellen und das Risiko einer Kontamination minimieren.
Produktschutz: Das Fördergut muss vor Kontamination durch die Umgebung geschützt werden. Bei SEGLER Schneckenförderern arbeitet das geschlossene System staub-, wasser- und optional gasdicht. So bleibt das Produkt frei von Feuchtigkeit, Schmutz und Fremdpartikeln.
Vermeidung von Verschleppungen: Bei Rezepturwechseln oder der Förderung unterschiedlicher Medien dürfen keine Produktreste im System verbleiben, die das nächste Produkt verunreinigen. Einfache Rezepturwechsel setzen eine leicht zugängliche und vollständig reinigbare Konstruktion voraus.
Präzise Dosierung: In der Lebensmittelproduktion müssen Zutaten und Rohstoffe häufig exakt dosiert werden. Förderschnecken ermöglichen das durch die direkte Proportionalität von Schneckendrehzahl und Fördermenge. Die volumetrisch exakte Förderung eignet sich für die Beschickung von Mischern, Reaktoren oder Abfüllanlagen und kann häufig auf teure Vordosiergeräte verzichten.
Betriebssicherheit: Lebensmittelbetriebe arbeiten oft im Mehrschichtbetrieb. Die Fördertechnik muss wartungsarm und langlebig sein. Bei SEGLER Förderschnecken läuft die Schneckenwelle als einziges großes bewegliches Teil primär im Produkt selbst, ohne direkten abtragenden Kontakt zum Gehäuse. Das reduziert den Verschleiß und verlängert die Standzeiten.
Welche Lebensmittel werden per Schüttgutförderung transportiert?
SEGLER fördert in der Lebensmittelindustrie ein breites Spektrum an Medien:
- Mehle, Stärke, Gluten
- Back- und Teigwaren, Backmischungen
- Cerealien, Müsli
- Zucker, Ersatzstoffe und Süßungsmittel
- Milchpulver, Milchprodukte
- Gewürze, Speisesalze
- Extrakte, Aromen, Enzyme
- Kakao, Kaffee, Teemischungen
- Obst (Gefrierobst)
- Maische, Malz, Treber, Trester, Wein
- Futtermittel
- Getränke
- Fleisch
Dabei reicht das Spektrum von rieselfähigen, trockenen Pulvern bis hin zu feuchten, klebrigen oder pastösen Massen.
Welche Materialien setzt SEGLER für lebensmitteltaugliche Fördertechnik ein?
Edelstahl als Standard
Für alle produktberührenden Flächen in der Lebensmittelindustrie kommt bei SEGLER Edelstahl zum Einsatz. Die Produktkontaktflächen werden feingeschliffen, um Anhaftungen zu minimieren und die Reinigbarkeit zu maximieren.
Die Oberflächentechnik spielt dabei eine zentrale Rolle: SEGLER betreibt getrennte Strahlanlagen für Edelstahl und Normalstahl in separaten Hallen, damit kein Materialkontakt entsteht. Für Edelstahl kommt Keramikstrahlgut zum Einsatz. Zusätzlich verfügt SEGLER über eine eigene Beiz- und Neutralisationsanlage für Edelstahl, mit der Schweißnahtbehandlung und Passivierung direkt im Haus erfolgen.
FDA-konforme Kunststoffe
Dichtungen und Gleitelemente in lebensmitteltauglichen Förderschnecken bestehen bei SEGLER aus FDA-konformen PTFE-Dichtungen. Alle eingesetzten Kunststoffe sind TSE-/BSE- und ADI-frei. Im Produktbereich werden keine Schrauben oder Lagerungen verbaut, die mit dem Fördergut in Kontakt kommen könnten.
Wie konstruiert SEGLER Fördertechnik für die Lebensmittelindustrie?
Keine produktberührten Schrauben oder Lagerungen
SEGLER realisiert lebensmitteltaugliche Förderschnecken ohne produktberührte Schrauben oder Lagerungen. Das eliminiert Toträume in Gewinden und Lagergehäusen, die sich nicht zuverlässig reinigen lassen.
Feingeschliffene Produktkontaktflächen
Alle Oberflächen, die mit dem Lebensmittel in Berührung kommen, werden feingeschliffen. Die Kombination aus Beizen, Strahlen und Passivierung erfolgt bei SEGLER unter einem Dach, was einen durchgängig kontrollierten Prozess sicherstellt.
Geschlossenes Fördersystem
Der staub-, wasser- und optional gasdichte Transport schützt das Fördergut vor Kontamination. Gleichzeitig schützt das geschlossene System die Mitarbeiter vor Emissionen wie Staub, Gerüchen oder dem Austritt von Gasen. Das erhöht die Arbeitssicherheit und erleichtert die Einhaltung von Umweltauflagen.
Explosionsschutz (ATEX)
Viele Lebensmittelpulver wie Mehl, Zucker oder Stärke sind brennbar und können in Staubform explosionsfähige Gemische bilden. SEGLER Förderschnecken sind bis Zone 20 (Staub-Ex) oder Zone 0 (Gas-Ex) zertifizierbar, inklusive sparsamer Stickstoffinertisierung.
Welche speziellen Bauformen setzt SEGLER in der Lebensmittelindustrie ein?
Fenstergewinde
Bei klebrigen oder zur Brückenbildung neigenden Produkten sorgen gezielte Aussparungen im Schneckenflügel für verbesserten Materialaustausch. Sie wirken Verklumpungen entgegen und führen zu einer effektiven Selbstreinigung.
Paddelgewinde
Einstellbare Paddel an der Schneckenwelle durchmischen das Fördergut intensiv während des Transports. Der Paddelwinkel lässt sich anpassen, um Verweilzeit und Mischeffekt zu steuern. Das ist relevant beim Homogenisieren von Backmischungen oder beim Mischen von Gewürzkomponenten.
Temperierschnecken (Hohlflügel)
Durch hohle Wellen oder Flügel wird ein Temperiermedium (Wasser, Dampf, Thermalöl) geleitet. So kann das Fördergut direkt beim Transport erhitzt oder gekühlt werden. Ein konkretes Anwendungsbeispiel ist der kryogene Transport von gefrorenen Bakterienkulturen aus flüssigem Stickstoff für die Joghurtherstellung.
Mehrwellen-Technologie
Für schwierige Fördergüter kommen zwei oder mehr ineinander kämmende Schnecken zum Einsatz. Durch das Ineinandergreifen der Schneckenflügel reinigen sich die Wellen gegenseitig. Das verbessert den Transport von stark anhaftenden oder zur Brückenbildung neigenden Medien erheblich. Die volumetrische Förderleistung erreicht dabei drei- bis vierstellige Kubikmeter pro Stunde.
Welche Prozessschritte deckt SEGLER in der Lebensmittelindustrie ab?
SEGLER setzt seine Expertise in den Bereichen Food & Feed in folgenden Prozessschritten um:
- Rohstoffannahme und Rohstoffmanagement
- Aufbereiten von Grundstoffen
- Einbringen und Dosieren, Ein- und Austragen
- Fördern
- Mischen, Homogenisieren, Rühren, Kneten
- Auftauen, Erwärmen, Kochen, Trocknen, Kühlen
- Maillard-Reaktion
- Auflösen von Agglomeraten
- Austragen
- Lagerung
Bei Bedarf arbeitet SEGLER mit externen Partnerinstituten wie dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) mit Sitz im 20 km entfernten Quakenbrück zusammen.
Fazit: Fördertechnik für die Lebensmittelindustrie richtig auslegen
Fördertechnik in der Lebensmittelindustrie erfordert hygienegerechte Konstruktion, zugelassene Materialien und ein tiefes Verständnis der Prozessanforderungen. SEGLER verbindet über 100 Jahre Erfahrung im Maschinenbau mit der gesamten Prozesskette von der Entwicklung über die Fertigung bis zur Inbetriebnahme, um maßgeschneiderte Anlagenlösungen für die Lebensmittelindustrie zu realisieren.
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